Wo Wandern auf Geschichte trifft
Manche Berge in Südkorea sind weniger für ihre Gipfelhöhe bekannt als für das, was an ihrem Fuß oder in ihren Tälern liegt. Drei Beispiele zeigen, wie eng Landschaft und religiöse Geschichte hier verwoben sind.
Odaesan trägt seinen Namen zu Recht: „Fünf-Ebenen-Berg", benannt nach den fünf Hochplateaus Manwoldae, Jangnyeongdae, Girindae, Sangsamdae und Jigongdae, die sich zwischen den Gipfeln erstrecken. Der höchste Punkt, Birobong, misst 1.563 m. Besonders ist, dass die gesamte Umgebung des Berges als heiliger buddhistischer Boden gilt. Der Woljeongsa-Tempel mit seiner neunstöckigen, achteckigen Steinpagode (Nationalschatz Nr. 48) liegt an einem ruhigen Tannenwaldpfad, acht Kilometer weiter, noch stiller gelegen, folgt der Sangwonsa-Tempel.
Gayasan, an der Grenze zwischen Gyeongsangnam- und Gyeongsangbuk-do, hat zwei Hauptgipfel: Sangwangbong (1.430 m) und den etwas höheren Chilbulbong (1.433 m). Am Fuß des Berges liegt der Haeinsa-Tempel, einer der drei „Juwelen-Tempel" Südkoreas, gegründet im Jahr 802. Er beherbergt die Tripitaka Koreana – 81.258 hölzerne Druckplatten mit dem vollständigen buddhistischen Kanon, seit dem 13. Jahrhundert erhalten und von der UNESCO als Weltdokumentenerbe gelistet, während der Tempel selbst als Weltkulturerbe geführt wird. Die Manmulsang-Route, die von hier aus zum Gipfel führt, zählt zu den spektakulärsten Gratwanderungen des Landes, ist zeitweise aber nur mit Reservierung begehbar.
Namsan bei Gyeongju ist streng genommen kein Nationalpark, sondern Teil der UNESCO-Welterbestätte „Historische Stätten von Gyeongju". Der nur 494 m hohe Granitberg wird oft als Freilichtmuseum des Buddhismus bezeichnet: Auf seinen Hängen wurden bislang 122 Tempelstätten, 53 Steinstatuen und 64 Pagoden aus dem 7. bis 10. Jahrhundert dokumentiert. Über schmale, nicht zu steile Pfade wandert man von einem Felsrelief zur nächsten Buddha-Statue, darunter eine kopflose Figur im Samneung-Tal. Wandern wird hier zum Museumsbesuch unter freiem Himmel, ganz ohne Vitrinen.