Wandern in Südkorea: Die schönsten Berge und Nationalparks

 

Wer buddhistische Tempel in Südkorea besucht, dem fällt irgendwann eine kleine, oft etwas versteckte Figur auf: ein alter Mann mit langem weißem Bart, an seiner Seite ein Tiger. Das ist Sanshin, der Berggeist – eine vorbuddhistische, schamanistische Gottheit, die der Buddhismus bei seiner Ankunft in Südkorea nicht verdrängt, sondern in eigenen kleinen Schreinhallen aufgenommen hat, und die dort bis heute mit Ritualen verehrt wird. Wie innig die Beziehung der Südkoreaner zu ihren Bergen ist, zeigt sich aber nicht nur in solchen Details, sondern schon auf der Landkarte: Rund 70 % des Landes bestehen aus Bergland. Wer dort wandert, bewegt sich durch Landschaft, die seit Jahrhunderten als heilig gilt. Wir zeigen Ihnen, wo sich diese Beziehung heute am eindrücklichsten erleben lässt – von den bekannten bis zu den eher unbekannten Gipfeln und Wandergebieten.

Das Nationalpark-System kurz erklärt

Südkorea verwaltet 24 Nationalparks: 19 Berg-Nationalparks, vier Meeres- und Küstennationalparks sowie einen historischen Park. Den Anfang machte 1967 der Jirisan-Nationalpark, bis 2025 kamen die übrigen 23 hinzu. Jeder Park verfügt über ein Besucherzentrum, in fast allen finden sich Tempelanlagen, und entlang vieler Routen gibt es einfache Hütten oder Shelter, die bei mehrtägigen Touren als Unterkunft dienen. 
Praktisch relevant: Nicht jede Route ist frei zugänglich. Am Hallasan etwa benötigen zwei der beliebtesten Routen eine Online-Reservierung, die je nach Saison Wochen im Voraus ausgebucht sein kann. Auch an anderen Parks werden einzelne Abschnitte zeitweise gesperrt, etwa um der Vegetation nach der Wintersaison Erholung zu ermöglichen. Hier lohnt sich vorausschauende Planung. 

Hallasan Nationalpark, Jeju, Südkorea
Ausblick auf Seoul von den umliegenden Bergen, Südkorea

Die großen Vier und ein Tipp abseits der Massen

Vier bekannte Berge begegnen einem auf jeder Liste koreanischer Wanderziele: 

Bukhansan (Seoul) gilt als einer der meistbestiegene Nationalparks der Welt, gemessen an Besuchern pro Fläche. Dass er nur eine U-Bahn-Fahrt von der Millionen-Metropole Seoul liegt, spielt hier mit Sicherheit eine Rolle. Der Gipfel Baegundae (836 m) ist also als Tagestour direkt aus Seoul machbar. 

Seoraksan (Gangwon-do) bietet die dramatischste Landschaft auf dem Festland: schroffe Granitgipfel, die Felsformation Ulsanbawi mit ihren charakteristischen sechs Zacken, dazu der Biryong-Wasserfall. Wer die steilen Treppen zum Ulsanbawi scheut, kommt per Seilbahn bis kurz unter den Gipfelbereich. 

Jirisan (Festlandkoreas höchster Gipfel) erstreckt sich grenzüberschreitend über drei Provinzen und gilt als anspruchsvollste Tour der vier. Seit 2004 werden hier wieder asiatische Schwarzbären angesiedelt, die zuvor als regional ausgestorben galten – ein seltener Erfolg im koreanischen Naturschutz. 

Hallasan (auf der Insel Jeju) ist mit 1.947 m der höchste Berg Südkoreas insgesamt, ein erloschener Vulkan mit Kratersee auf dem Gipfel. Wie erwähnt sind zwei der Routen reservierungspflichtig. 

Die „großen Vier“ können sehr gut besucht sein. Wer etwas weniger Trubel sucht, findet ihn am Woraksan im Sobaek-Gebirge. Der Name bedeutet sinngemäß „Mondfelsenberg" – benannt nach bis zu 150 Meter hohen, im Licht silbrig wirkenden Felswänden. Der Park ist bietet als einziger koreanischer Berg-Nationalpark einen Zugang per Boot, über eine Anlegestelle am Chungju-Stausee. In der Nähe liegen zudem die „Acht Wunder von Danyang", eine Gruppe besonders markanter Fels- und Flusslandschaften. 

Hallasan-Gebirge, Südkorea
Seoraksan Nationalpark, Südkorea

Wo Wandern auf Geschichte trifft

Manche Berge in Südkorea sind weniger für ihre Gipfelhöhe bekannt als für das, was an ihrem Fuß oder in ihren Tälern liegt. Drei Beispiele zeigen, wie eng Landschaft und religiöse Geschichte hier verwoben sind.

Odaesan trägt seinen Namen zu Recht: „Fünf-Ebenen-Berg", benannt nach den fünf Hochplateaus Manwoldae, Jangnyeongdae, Girindae, Sangsamdae und Jigongdae, die sich zwischen den Gipfeln erstrecken. Der höchste Punkt, Birobong, misst 1.563 m. Besonders ist, dass die gesamte Umgebung des Berges als heiliger buddhistischer Boden gilt. Der Woljeongsa-Tempel mit seiner neunstöckigen, achteckigen Steinpagode (Nationalschatz Nr. 48) liegt an einem ruhigen Tannenwaldpfad, acht Kilometer weiter, noch stiller gelegen, folgt der Sangwonsa-Tempel.

Gayasan, an der Grenze zwischen Gyeongsangnam- und Gyeongsangbuk-do, hat zwei Hauptgipfel: Sangwangbong (1.430 m) und den etwas höheren Chilbulbong (1.433 m). Am Fuß des Berges liegt der Haeinsa-Tempel, einer der drei „Juwelen-Tempel" Südkoreas, gegründet im Jahr 802. Er beherbergt die Tripitaka Koreana – 81.258 hölzerne Druckplatten mit dem vollständigen buddhistischen Kanon, seit dem 13. Jahrhundert erhalten und von der UNESCO als Weltdokumentenerbe gelistet, während der Tempel selbst als Weltkulturerbe geführt wird. Die Manmulsang-Route, die von hier aus zum Gipfel führt, zählt zu den spektakulärsten Gratwanderungen des Landes, ist zeitweise aber nur mit Reservierung begehbar.

Namsan bei Gyeongju ist streng genommen kein Nationalpark, sondern Teil der UNESCO-Welterbestätte „Historische Stätten von Gyeongju". Der nur 494 m hohe Granitberg wird oft als Freilichtmuseum des Buddhismus bezeichnet: Auf seinen Hängen wurden bislang 122 Tempelstätten, 53 Steinstatuen und 64 Pagoden aus dem 7. bis 10. Jahrhundert dokumentiert. Über schmale, nicht zu steile Pfade wandert man von einem Felsrelief zur nächsten Buddha-Statue, darunter eine kopflose Figur im Samneung-Tal. Wandern wird hier zum Museumsbesuch unter freiem Himmel, ganz ohne Vitrinen.

Haeinsa, Buddhistischer Tempel, Südkorea
Tripikata Koreana, Südkorea

Der Azaleenberg: Sobaeksan

Ein Berg verdient einen eigenen Absatz, weil er für ein besonderes Naturphänomen bekannt ist. Der Sobaeksan-Nationalpark, der viertgrößte Berg-Nationalpark Südkoreas, ist berühmt für seine ausgedehnten Königsazaleen-Felder rund um den Gipfel Birobong. Die Blüte erreicht meist im Juni ihren Höhepunkt, begleitet von einem jährlichen Azaleen-Festival nahe der Stadt Danyang. Im Winter zeigt sich der Berg von einer anderen Seite: An den Gipfeln bildet sich regelmäßig Schneereif, der Bäume und Sträucher in filigrane Eisskulpturen verwandelt.  Wenn Sie gerne im Winter wandern oder Naturfotografie zu Ihren Hobbys zählen, lohnt sich ein Besuch zu dieser Jahreszeit.

Mehrtägig unterwegs – Fernwege und Küstenpfade

Nicht jede Wanderung in Südkorea lässt sich an einem Tag abhaken. Zwei Wegesysteme folgen einer anderen Logik als der klassische Gipfelsturm: 
Der Baekdudaegan-Trail folgt der traditionellen koreanischen Vorstellung, dass die Gebirgszüge des Landes keine einzelnen, voneinander getrennten Berge sind, sondern ein durchgehendes Rückgrat, vom Baekdusan im Norden bis zum Jirisan im Süden. Zwischen den Etappen kann in einfachen Berghütten übernachtet werden.

Der Jeju Olle-gil verfolgt ein gegenteiliges Prinzip: sanfte Küstenwege statt Gipfelanstiege. 2007 von der ehemaligen Journalistin Suh Myung-sook gegründet, die die Idee von ihrer eigenen Wanderung auf dem spanischen Jakobsweg mitbrachte, umfasst das Netz heute 21 Hauptrouten (plus mehrere Nebenrouten), die zusammen die gesamte Insel Jeju umrunden. Die Routen sind konditionell einfacher als die Bergtouren und lassen sich gut mit anderen Programmpunkten auf Jeju kombinieren. 

Übersicht: Wandern nach Jahreszeit

• Frühling (März–Mai): Kirschblüte in tieferen Lagen, ab Ende April/Mai Azaleenblüte am Hallasan 
• Frühsommer (Juni): Hochsaison der Königsazaleen am Sobaeksan, dazu das Azaleen-Festival bei Danyang 
• Sommer (Juli–August): hohe Luftfeuchtigkeit und Monsunregen, früher Start empfehlenswert, dafür sattes Grün 
• Herbst (September–November): Foliage-Hauptsaison, besonders an Seoraksan, Naejangsan und Odaesan – zugleich die verkehrsreichste Zeit in den Parks 
• Winter (Dezember–Februar): Schneewandern mit Grödeln, Schneereif-Phänomen am Sobaeksan, insgesamt die ruhigste Jahreszeit in den Bergen 

Praktisches für Ihre Reise

Einige Routen sind, wie erwähnt, reservierungspflichtig oder saisonal eingeschränkt – neben den zwei Hallasan-Routen betrifft das zeitweise die Manmulsang-Route am Gayasan und einzelne Abschnitte am Sobaeksan. Entlang vieler Wege gibt es Hütten, die Ausstattung reicht aber von einfachen Schlafplätzen bis zu bewirtschafteten Unterkünften. Je nach Jahreszeit braucht es auch eine unterschiedliche Ausrüstung. Reservierungen, Streckenwahl und Timing übernehmen wir für unsere Gäste im Vorfeld ganz nach Ihren Interessen – so bleibt vor Ort mehr Zeit für den Weg selbst.

Seinen Ruf als Wanderparadies trägt Südkorea jedenfalls zurecht. Wer hier unterwegs ist, folgt Pfaden, die lange vor der ersten Wanderkarte als heiliger Boden galten. 

 

In Zusammenarbeit mit der Koreanischen Zentrale für Tourismus (VisitKorea)

Slogan, Imagine your Korea, Koreanische Zentrale für Tourismus
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